Home - 28.6.2020

Steuern gesenkt – Aufwand erhöht – was bleibt?

Die Bundesregierung beschließt eine vom 1.7. bis 31.12.2020 zeitlich befristete Senkung der Mehrwertsteuersätze:

Dies beschert Projekten der öffentlichen Hand, im Wohnungsbau etc. geringere Projektkosten. Gewerbliche Auftraggeber profitieren davon nicht und haben ggfls. einen Mehraufwand in der Finanzbuchhaltung.

Die neuen Steuersätze gelten für Lieferungen und Leistungen, die zwischen Juli und einschließlich Dezember bewirkt werden. Es ist also der Leistungszeitpunkt entscheidend. Werden Leistungen vor dem 1. Juli ausgeführt, gilt es die regulären Steuersätze anzuwenden – auch wenn die Rechnungsstellung erst nach dem 1. Juli erfolgt.

Die Umsetzung der Maßnahme ist abhängig von der Vertragsform:

  • Bei Lieferung einer Ware ➝ der Zeitpunkt der Verschaffung der Verfügungsmacht
  • Bei Werklieferungen (Bauleistungen, Planungs- und Managementleistungen, etc.) ➝ der Zeitpunkt der Abnahme durch den Erwerber
  • Bei abgeschlossenen Teilleistungen (Beratung, Regiearbeiten etc.) ➝ das Leistungsende
  • Bei Dauerleistungen (Wartungsverträge, Rahmenverträge, etc.) ➝ der Tag an dem der Leistungszeitraum endet

 

Vorsicht ist dennoch geboten: Es kursieren widersprüchliche Informationen zur Anwendung des Gesetzes und die Finanzbehörde hat noch keine spezifische Vorlage für die Umsetzung in der Bau- und Immobilienwirtschaft veröffentlicht.

 

Vor allem bei langfristigen Werkverträgen mit Anzahlung/Abschlagszahlungen/Abschlagsrechnungen besteht Klärungsbedarf.

  • Was passiert zwischen Ausführung und Abnahme durch den Auftraggeber bei periodenübergreifenden Leistungszeiträumen?
  • Wie steht es um Werkverträge, die erst 2021 finalisiert werden? Kann mit dem Standardsteuersatz durchgerechnet werden?
  • Wie wird hier die Finanzbehörde bezüglich Vorsteuerrückerstattung agieren?

 

Es besteht das Risiko, dass Steuern abgeführt werden, die später nicht in derselben Höhe über die Vorsteuer erstattbar sind.

 

Dazu Wolfgang Aschauer, Produktmanager bei COOR:

Die zeitlich begrenzte Senkung der Umsatzsteuer im Rahmen der Konjunkturmaßnahme schafft in der derzeit vorliegenden Form nur sehr geringen Mehrwert für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Für rein gewerbliche Projekte erfolgt kein Investitionsanreiz, da hier die Umsatzsteuer nicht Bestandteil der Baukosten ist. Im Gegenteil, es entsteht ein beträchtlicher Mehraufwand ohne Mehrwert, der für die Unternehmen eine zusätzliche Belastung in der aktuell herrschenden wirtschaftlich angespannten Zeit bedeutet. Wir gehen daher davon aus, dass die Verbände mit der Bundesregierung zeitnah eine Vereinbarung finden werden, die eine nutzstiftende und praktikable Umsetzung ermöglicht.

Egal was kommen wird, COOR bietet Lösungsansätze um mit jeder Situation umzugehen.“